Es gibt kaum etwas Frustrierenderes, als nicht zu verstehen, was einem das Gegenüber sagen will. Man fühlt sich hilflos, dumm, gibt irgendwann auf.

Aber Verstehen oder Nicht-Verstehen hat nicht allein mit der Person zu tun, die etwas hört oder liest. Es hängt ebenso sehr von der Person ab, die spricht oder schreibt. Nur wenn diese verständlich kommuniziert, kommt die Botschaft an. Ansonsten kann sie noch so schön formuliert sein – der Sinn geht verloren.

Damit Ihnen das nicht passiert, habe ich diesen Blogbeitrag geschrieben. Sie erfahren darin, was Verständlichkeit ist, wie Sie verständlich schreiben und welche Vorteile sich daraus für Sie und Ihre Zielgruppe ergeben.

Was heisst verständlich schreiben?

Beim Thema Verständlichkeit denken viele an Einfache Sprache oder Leichte Sprache. Beides sind Konzepte, um Sprache zu vereinfachen, damit sie von mehr Menschen verstanden wird. Zum Beispiel von Menschen mit Lernschwäche oder einer anderen Muttersprache.

Verständlichkeit ist aber mehr als Vereinfachung – und lohnt sich nicht nur für bestimmte Zielgruppen, sondern für alle. Denn Verständlichkeit ist in erster Linie Klarheit. Verständliche Texte sind klar strukturiert, sprachlich präzise – und vor allem: auf ihre Zielgruppe zugeschnitten.

Verständlich für wen? – die Zielgruppenanalyse

Um verständlich zu schreiben, müssen Sie also zunächst einmal wissen, für wen sie überhaupt schreiben. Sprich: Sie brauchen eine Zielgruppenanalyse.

Diesem wichtigen Thema habe ich bereits einen eigenen Blogbeitrag gewidmet. Im Zusammenhang mit Verständlichkeit sollten Sie sich vor allem folgende Fragen stellen:

  • Wie gut ist das Sprachverständnis meiner Zielgruppe? Auf welchem Niveau muss ich sie ansprechen, dass sie mich versteht?
  • Welches Vorwissen bringt meine Zielgruppe mit? Was weiss sie schon, was ist neu für sie?
  • Welche Fachwörter und Abkürzungen kennt meine Zielgruppe bereits? Welche muss ich erklären?

Die Antworten auf diese Fragen helfen Ihnen, so zu schreiben, dass Ihre Zielgruppe Sie versteht.

Die 4 Dimensionen der Verständlichkeit

Unabhängig von Ihrer Zielgruppe gibt es Aspekte, die Texte für jede Leserin und jeden Leser verständlicher machen.

Eine sinnvolle Zusammenfassung dieser universellen Verständlichkeitsmerkmale liefert das sogenannte Hamburger Verständlichkeitsmodell der drei Psychologen Reinhard Tausch, Inghard Langer und Friedemann Schulz von Thun.

Es definiert Verständlichkeit in vier Dimensionen:

1. Einfachheit: kurze Sätze, einfacher Satzbau, bekannte Wörter, Fachwörter werden erklärt.

2. Gliederung/Ordnung: logischer Aufbau, Zwischenüberschriften und Absätze, klare Bezüge (auch zu diesem Thema finden Sie bereits einen Blogbeitrag auf meiner Website).

3. Kürze/Prägnanz: keine unnötigen Wiederholungen oder Ausschweifungen.

4. Anregende Zusätze: Beispiele, Bilder oder Vergleiche, die Inhalte greifbar machen und die Spannung aufrecht erhalten.

Wichtig ist das richtige Gleichgewicht zwischen den unterschiedlichen Dimensionen. Ein Text, der nur aus kurzen Hauptsätzen besteht, ist vielleicht einfach und prägnant, aber nicht unbedingt anregend. Umgekehrt können zu viele Beispiele die Ordnung des Texts durcheinanderbringen.

Warum überhaupt verständlich schreiben?

Texte sind kein Selbstzweck – wir wollen etwas erreichen damit. Wir wollen Informationen vermitteln, Vertrauen aufbauen, eine Handlung auslösen. Das funktioniert nur, wenn unsere Zielgruppe versteht, was wir ihr sagen wollen.

Dazu kommt, dass jeder Text auch etwas über seine Absenderin oder seinen Absender sagt. Verständliche Texte wirken automatisch freundlich, professionell und vertrauenswürdig. Wer will das nicht?

Und zu guter Letzt: Verständlichkeit ist auch eine Absicherung. Schreiben Sie verständlich, sorgen Sie für Klarheit und vermeiden Missverständnisse. Dadurch sparen Sie Zeit, Kosten und Ärger.

Typische Stolperfallen für Verständlichkeit

Wenn Sie verständlich schreiben wollen, gibt es ein paar Stolperfallen, in die Sie nicht tappen sollten. Die wichtigsten davon sind:

  • Fachjargon: Fachwörter können Dinge sehr genau bezeichnen, werden aber nicht unbedingt von allen verstanden. Verzichten Sie deshalb wo möglich auf Fachjargon und erklären Sie Fachbegriffe, die Sie verwenden.
  • Abkürzungen: Abkürzungen helfen, etwas kurz und knapp auszudrücken. Sie können aber auch Verwirrung stiften. Verwenden Sie sie spärlich und schreiben Sie jede Abkürzung beim ersten Vorkommen aus.
  • Schachtelsätze: Lange Sätze sind nicht zwingend ein Problem für die Verständlichkeit, komplexe hingegen schon. Versuchen Sie, möglichst nur eine Information pro Satz zu vermitteln.
  • Nominalstil: Beim Lesen fokussieren wir auf die Handlung. Diese wird durch die Verben vorangetrieben. Verwenden Sie deshalb möglichst viele Verben und möglichst wenige Substantive.
  • Passivkonstruktionen: Passivkonstruktionen machen den Satzbau oft unnötig kompliziert. Ausserdem verschleiern Sie, wer etwas tut oder sagt. Formulieren Sie deshalb aktiv.

    5 konkrete Tipps für verständlichere Texte

    Kommen wir nun von den Dingen, die Sie vermeiden sollten, zu den Dingen, die Sie tun sollten, um verständlich zu schreiben. Hier sind meine besten Tipps für verständlichere Texte:

    1. Brauchen Sie einfache Wörter und Sätze

    Schreiben Sie in einer natürlichen Sprache – ähnlich, wie Sie sprechen. Brauchen Sie Fachwörter nur wo nötig und erklären Sie sie. Trennen Sie Schachtelsätze in kürzere Sätze auf.

    Beispiel:

    Alltagssprache verstehen die Menschen besser als Fachsprache.

    statt

    Fachterminologie und syntaktische Strukturen, die ineinander verschränkt sind, können das Verständnis eines Texts erschweren.

    2. Formulieren Sie aktiv statt passiv

    Verwenden Sie wo möglich Verben statt Substantive und formulieren Sie diese aktiv. Machen Sie deutlich, was passiert und wer handelt.

    Beispiel:

    Ich will, dass Sie mich verstehen.

    statt

    Es wird ein möglichst gutes Verständnis angestrebt.

    3. Seien Sie konkret

    Machen Sie keine allgemeinen Ausführungen, sondern sagen Sie klar, was Sie meinen, und führen Sie konkrete Beispiele an.

    Beispiel:

    Kaffee am Morgen weckt auf.

    statt

    Koffeinhaltige Getränke können Müdigkeit reduzieren.

    4. Schaffen Sie Struktur

    Strukturieren Sie Texte in Absätze, setzen Sie Zwischenüberschriften, arbeiten Sie mit Listen und Tabellen. Das Erleichtert die Orientierung im Text und hilft, dem roten Faden zu folgen.

    Beispiel: Siehe dieses Kapitel.

    5. Machen Sie Beispiele

    Theoretische Konzepte und Zusammenhänge werden deutlich, wenn Sie mit konkreten Beispielen illustriert werden.

    Beispiel: Eine konkreten Anwendung der Relativitätstheorie sind GPS-Geräte.

    Hilfsmittel und Tools für bessere Verständlichkeit

    Verständlich schreiben ist eine Kunst, die gelernt sein will. Wie so oft gilt: Übung macht die Meisterin oder den Meister.

    Es gibt jedoch ein paar Hilfsmittel, um die Verständlichkeit Ihrer Texte rasch zu verbessern:

    • Online-Checker: Programme wie das Textanalyse-Tool der Wortliga oder LanguageTool prüfen Ihre Texte und machen Vorschläge, um Sie verständlicher zu formulieren.
    • Checkliste: Wissen Sie, dass Sie zu Nominalstil neigen? Oder verwenden Sie überall Abkürzungen? Erstellen Sie eine Checkliste, um die wichtigsten Stolperfallen in Ihren Texten zu umgehen.
    • Styleguides: Halten Sie die wichtigsten Regeln fest, an die Sie sich halten müssen, um verständliche Texte für Ihre Zielgruppe zu schreiben. So sorgen Sie nicht nur für Verständlichkeit, sondern gleichzeitig für Konsistenz über verschiedene Texte und Kanäle hinweg.
    • 4-Augen-Prinzip: Lassen Sie Ihre Texte von jemand anderem lesen, bevor Sie sie veröffentlichen – sei es eine Arbeitskollegin oder ein professioneller Lektor.

    Ich empfehle Ihnen besonders den letzten Punkt: Sie selbst verstehen im besseren Fall, was Sie geschrieben haben. Eine andere Person weiss nicht, was sie meinen, sondern liest nur, was auf dem Blatt steht. Sie kann deshalb besser beurteilen als Sie selbst, ob Ihr Text verständlich ist.

    Fazit: Schreiben Sie verständlich und werden Sie verstanden

    Verständlich zu schreiben bedeutet, Ihre Zielgruppe zu kennen, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen und darauf einzugehen. Mit verständlichen Texten platzieren Sie Ihre Botschaften und schaffen Vertrauen. Ausserdem vermeiden Sie Missverständnisse und sorgen für eine effiziente Kommunikation.

    Als Ihr Texter unterstütze ich Sie gern dabei, Texte zu schreiben, die Ihre Zielgruppe versteht.