Er ist eines der kleinsten Schriftzeichen – und doch sorgt er regelmässig für Diskussionen: der Apostroph. Kaum ein anderes Satzzeichen wird im Deutschen so oft falsch verwendet und gleichzeitig so emotional debattiert. Der Apostroph gehört neben den Anführungszeichen und dem Bindestrich definitiv zu den Zeichen, die ich als Lektor am häufigsten korrigieren muss.
Höchste Zeit also, dass wir uns den Apostroph einmal genauer ansehen: Wo braucht es ihn? Wo kann man ihn als Stilmittel verwenden? Wo darf er auf keinen Fall stehen? Und wie schreibt man ihn eigentlich richtig?
Die Antworten auf diese Fragen liefere ich Ihnen in diesem Blogbeitrag.
Was ist der Apostroph – und warum ist er so umstritten?
Der Apostroph (’) ist ein Satzzeichen, das bereits im alten Griechenland zur Anwendung kam und ursprünglich dazu diente, Auslassungen anzuzeigen – etwa in poetischer Sprache oder bei umgangssprachlichen Ausdrücken:
- Und der wilde Knabe brach ’s Röslein auf der Heiden. (Ohne Abkürzung: Und der wilde Knabe brach das Röslein auf der Heiden.)
- Wie geht’s? (Ohne Abkürzung: Wie geht es?)
Insbesondere unter dem Einfluss des Englischen, in dem der Apostroph auch Besitzverhältnisse kennzeichnet (z. B. Peter’s house – Peters Haus), hat sich der Gebrauch des Apostroph im Deutschen jedoch ausgebreitet. So wird der Apostroph heute unter anderem zur Markierung von Genitiven verwendet:
- Peter’s Haus statt Peters Haus
- Marie’s Café statt Maries Café
Dieser Apostroph vor dem Genitiv-s ist der wohl umstrittenste Apostroph im Deutschen. Sprachliebhaberinnen und Schreibprofis bezeichnen ihn gern als Deppenapostroph und lehnen seinen Gebrauch ab.
Bis vor kurzem war der Apostroph vor dem Genitiv-s im Deutschen offiziell verboten – auch wenn er als Stilmittel insbesondere in Firmen- und Produktnamen sehr oft vorkam. 2024 beugte sich der Rat für deutsche Rechtschreibung der sprachlichen Realität und erlaubte ihn in gewissen Fällen.
Überall darf er jedoch nicht angewendet werden. Und andere Apostroph-Formen sind nach wie vor in jedem Fall unzulässig.
So verwenden Sie den Apostroph richtig
Der korrekte Gebrauch des Apostrophs ist nicht ganz einfach – und die Regeln dazu ändern sich mit der Zeit und passen sich dem Sprachgebrauch an. Wenn Sie es im Einzelfall ganz genau wissen wollen, empfehle ich Ihnen, den Duden zu konsultieren.
Die meisten Alltagsfragen in Bezug auf den Apostroph sollten sich jedoch klären lassen, wenn Sie sich an die folgenden Grundregeln halten:
Apostroph bei Auslassungen
In seiner ursprünglichen Gebrauchsform – bei Auslassungen – ist der Apostroph jederzeit korrekt:
- Wie geht’s?
- Das ist ’ne tolle Idee!
- Rock ’n’ Roll
In gewissen Fällen ist es auch erlaubt, den Apostroph wegzulassen und zwei Wörter zusammenzuschreiben.
- Zum Beispiel bei gewissen Verben und Pronomen: Wie gehts?
- Zum Beispiel bei gewissen Präpositionen und Artikeln: durchs, hinterm, übern …
Die Zusammenschreibung ist jedoch nur bei Wortverbindungen zulässig, die sehr geläufig sind. Sind Sie hier unsicher, setzen Sie lieber einen Apostroph.
Apostroph bei Pluralformen
Ein klassisches Beispiel für eine falsche Verwendung des Apostrophs sind Pluralformen von Abkürzungen oder Akronymen:
- Falsch: FAQ’s
- Richtig: FAQs
Im Deutschen wird der Apostroph nie zur Pluralbildung verwendet. Hier ist er in jedem Fall falsch.
Apostroph beim Genitiv
Bei Genitiv-Konstruktionen ist die Verwendung des Apostrophs nicht so eindeutig richtig oder falsch wie bei anderen Anwendungsfällen.
Grundsätzlich wird der Genitiv im Deutschen ohne Apostroph gebildet:
- Peters Haus
- Maries Café
- des Supermarkts
Es gibt jedoch eine Ausnahme, bei der der Apostroph vorgeschrieben ist, und zwar bei Eigennamen, die auf -s, -ss, -ß, tz, -z, -x oder -ce enden:
- Johannes’ des Täufers
- Marx’ Kapital
- Alice’ Wunderland
Eine weitere Ausnahme, bei der ein Apostroph erlaubt – aber nicht vorgeschrieben – ist, sind Personennamen, die mit weiteren Wörtern zusammen einen Eigennamen (z. B. einen Firmennamen) bilden:
- Richtig: Maries Café oder Marie’s Café
- Falsch: Peter’s Haus (hier handelt es sich nicht um einen Eigennamen)
Diese letzte Regelung wurde erst vor kurzem angepasst. Auch wenn der Apostroph in Eigennamen weit verbreitet ist, gibt es noch immer viele Menschen, die sich daran stören und ihn als schlechten Stil oder schlicht als falsch betrachten. Dies sollten Sie beachten, wenn Sie entscheiden, einen Apostroph in einem Eigennamen zu verwenden.
Das korrekte Apostroph-Zeichen und wo Sie es auf der Tastatur finden
Ob der Diskussionen um die korrekte Verwendung des Apostrophs wird ein wesentliches Detail oft übersehen: die Form des Apostrophs. In der Typografie ist diese nämlich genau vorgeschrieben:
- Richtig: ’
- Falsch: ‘, ´, ‚
Der korrekte Apostroph sieht aus wie ein hochgestelltes, geschwungenes Komma. Je nach Schriftart erinnert er auch an die Ziffer 9.
Wenn Sie einen typografisch korrekten Apostroph in Ihren Text einfügen wollen, brauchen Sie je nach Betriebssystem eine andere Tastenkombination:
- Microsoft: [Alt] + 0146 auf dem Nummernblock
- Apple (Schweiz): [Option ⌥] + [⇧] + ¨
- Apple (Deutschland/Österreich): [Option ⌥] + [⇧] + #
Ist Ihnen die manuelle Eingabe zu mühsam, können Sie den typografisch korrekten Apostroph in den gängigen Textverarbeitungsprogrammen wie Microsoft Word oder InDesign auch automatisch einfügen lassen, indem Sie die Autokorrektur aktivieren.
Auch wenn es nebensächlich erscheinen mag: Die Verwendung des korrekten Apostrophs kann einen grossen Unterschied machen. Einerseits stellen Sie damit gegenüber Ihren Leserinnen und Lesern Ihre Professionalität unter Beweis. Andererseits machen Sie Ihre Texte aber auch für Suchmaschinen und Software-Programme besser lesbar, was Ihre SEO-Werte und den Datenaustausch optimiert.
Fazit: Setzen Sie den Apostroph bewusst ein
Der Apostroph ist kein dekoratives Element, sondern ein Satzzeichen mit einer Funktion. In professionellen Texten – insbesondere in der Unternehmenskommunikation und im Marketing – sollten Sie ihn bewusst und korrekt platzieren, um Ihre Kompetenz unter Beweis zu stellen und keine Probleme mit der Datenverarbeitung zu generieren.
Und wenn Sie ganz sicher gehen wollen, den Apostroph richtig zu verwenden: Engagieren Sie einen Profi! Als professioneller Lektor helfe ich Ihnen gern, alle Apostrophe in Ihren Texten korrekt zu setzen.